

Ein paar Worte vorab...
Bevor wir uns den konkreten Ernährungsempfehlungen nach einer Krebserkrankung widmen, zunächst etwas Grundsätzliches:
Die Diagnose einer Krebserkrankung ist für Sie und Ihre Angehörigen verständlicherweise eine belastende Situation. In dieser Phase entsteht häufig der Wunsch nach klaren Regeln – auch beim Thema Ernährung.
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Was darf ich essen?
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Was sollte ich lieber meiden?
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Gibt es eine bestimmte Diät, die ein Wiederauftreten der Erkrankung verhindern kann?
Diese Fragen sind sehr verständlich.
Wichtig ist zunächst eines: Nach aktuellem Stand der Forschung gibt es keine spezielle „Krebs-Diät“, die nachweislich ein Wiederauftreten der Erkrankung verhindert. Studien zeigen zwar, dass bestimmte Ernährungsinterventionen bei Menschen mit Krebs beispielsweise Körpergewicht, Stoffwechselparameter oder teilweise auch die Lebensqualität verbessern können. Ein klarer Nachweis dafür, dass eine bestimmte Diät Rezidive verhindert oder das langfristige Überleben zuverlässig verbessert, liegt jedoch bislang nicht vor.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Ernährung keine Rolle spielt – im Gegenteil.
Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Krebsbehandlung und der Genesung. Allerdings wirkt sie komplexer, indirekter und langfristiger, als es einfache Diätversprechen oft suggerieren.
Warum restriktive „Krebsdiäten“ problematisch sein können
Ein zentraler Punkt der modernen Ernährungsmedizin in der Onkologie ist nicht die Suche nach einer bestimmten „Krebsdiät“, sondern die Vermeidung von Mangelernährung.
Viele Krebspatientinnen und -patienten verlieren während der Erkrankung oder Therapie an Gewicht und Muskelmasse. Das kann verschiedene Ursachen haben – etwa Appetitverlust, Nebenwirkungen der Therapie oder Veränderungen im Stoffwechsel.
Studien zeigen, dass Mangelernährung bei Menschen mit Krebs häufig vorkommt und mit ungünstigen Krankheitsverläufen verbunden sein kann.
Eine systematische Analyse mehrerer wissenschaftlicher Studien aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Mangelernährung bei KrebspatientInnen weit verbreitet ist und mit schlechteren Behandlungsergebnissen und einer ungünstigeren Prognose zusammenhängt (Quelle 1).
Internationale Leitlinien zur klinischen Ernährung in der Onkologie weisen zudem darauf hin, dass Mangelernährung bei Krebspatientinnen und -patienten mit einer schlechteren Lebensqualität, erhöhter Therapietoxizität, ungünstigeren klinischen Behandlungsergebnissen und einer erhöhten Mortalität assoziiert ist Quelle 2).
Studien zeigen außerdem, dass eine gezielte ernährungsmedizinische Unterstützung bei mangelernährten Krebspatienten mit einer niedrigeren Krankenhaussterblichkeit verbunden sein kann.

Was Leitlinien empfehlen
Auch internationale medizinische Leitlinien betonen deshalb einen wichtigen Grundsatz:
Bei einer Krebserkrankung steht nicht eine spezielle Diät im Mittelpunkt, sondern eine ausreichende und ausgewogene Ernährung, die den Körper während der Therapie unterstützt. Leitlinien und Positionspapiere zur Ernährung in der Onkologie empfehlen daher:
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den Ernährungszustand frühzeitig zu erfassen und regelmäßig zu kontrollieren
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ungewollten Gewichtsverlust möglichst zu vermeiden
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eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr sicherzustellen
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Ernährungsmaßnahmen individuell an Situation, Therapie und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten anzupassen
Diese Empfehlungen basieren auf der Erkenntnis, dass ein guter Ernährungszustand die Verträglichkeit der Therapie verbessern, Komplikationen reduzieren und die Lebensqualität unterstützen kann.
Zusammengefasst:
„Nicht eine spezielle Krebsdiät ist entscheidend – sondern eine ausreichende, ausgewogene Ernährung, die Mangelernährung verhindert und den Körper während der Therapie unterstützt.
Gesund essen – Planet schützen – Tiere respektieren
Die Wolfgang-Wilmanns-Stiftung empfiehlt eine Ernährung, die sich an der EAT-Lancet Planetary Health Diet orientiert und mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kombiniert wird.
Dieser Ansatz verbindet wissenschaftlich fundierte Gesundheitsförderung, ökologische Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung. Ziel ist eine Ernährungsweise, die sowohl die menschliche Gesundheit als auch die Belastungsgrenzen unseres Planeten berücksichtigt.
Die Planetary Health Diet basiert überwiegend auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen, während der Konsum tierischer Produkte deutlich reduziert wird (Quelle 4).
Studien zeigen, dass eine hohe Einhaltung dieses Ernährungsmusters mit geringerem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Krankheiten sowie mit einer geringeren Umweltbelastung der Ernährungssysteme verbunden sein kann (Quelle 5).

Unsere Prinzipien
1. Fleisch nur in moderaten Mengen und möglichst aus artgerechter Tierhaltung
Ernährungsphysiologische Aspekte
Tierische Lebensmittel liefern wichtige Nährstoffe wie hochwertiges Protein, Eisen, Vitamin B12 und Zink. Gleichzeitig ist ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit gesundheitlichen Risiken verbunden, weshalb viele internationale Ernährungsempfehlungen eine Reduktion des Fleischkonsums empfehlen.
Mengen-Empfehlungen
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EAT-Lancet-Kommission: etwa 14 g rotes Fleisch pro Tag (≈100 g pro Woche)
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Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): 300–600 g Fleisch und Wurst pro Woche
Eine Reduktion des Fleischkonsums trägt nicht nur zur Gesundheitsprävention bei, sondern reduziert auch Treibhausgasemissionen und Landnutzungsdruck in der Landwirtschaft (Quelle 5).
Tierwohl
Artgerechte Tierhaltung ermöglicht Tieren natürliche Verhaltensweisen und trägt zu verbesserten Haltungsbedingungen bei. Dies ist sowohl aus ethischer Perspektive als auch aus Sicht vieler Verbraucherinnen und Verbraucher ein wichtiges Anliegen.
Antibiotikaeinsatz
In der ökologischen Tierhaltung gelten strengere Vorschriften für den Einsatz von Antibiotika. Eine verantwortungsvolle Nutzung kann dazu beitragen, das Risiko der Entstehung antibiotikaresistenter Bakterien zu reduzieren.
2. Gemüse und Obst als zentrale Bestandteile der Ernährung
Gesundheitsaspekte
Gemüse und Obst enthalten zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Flavonoide. Diese bioaktiven Verbindungen werden mit antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen in Verbindung gebracht (Quelle 6).
Eine pflanzenreiche Ernährung wird in vielen Studien mit einem geringeren Risiko für chronische Erkrankungen sowie einer insgesamt besseren Gesundheitsentwicklung assoziiert (Quelle 7).
Mengenempfehlungen
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EAT-Lancet: 300–600 g Gemüse pro Tag 200–300 g Obst pro Tag
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DGE: etwa 400 g Gemüse und 250 g Obst pro Tag
3. Nachhaltige Landwirtschaft fördern
Ökologische Landwirtschaft
Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft enthalten im Durchschnitt weniger Rückstände synthetischer Pestizide und werden unter Bedingungen produziert, die den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und mineralischer Stickstoffdünger einschränken.
Biodiversität und Klimaschutz
Nachhaltige Anbaumethoden können dazu beitragen,
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Bodenfruchtbarkeit zu erhalten
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Biodiversität zu fördern
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Wasserressourcen zu schützen
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den Einsatz von synthetischen Düngern und Pestiziden zu reduzieren
und damit langfristig zu einer stabileren Lebensmittelproduktion beitragen.
Fazit
Eine Ernährung nach den Prinzipien der Planetary Health Diet, ergänzt durch die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, kann gleichzeitig
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die menschliche Gesundheit fördern
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die Belastung natürlicher Ressourcen reduzieren
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und zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem beitragen.
Eine stärkere Orientierung an pflanzenreichen Ernährungsweisen und ein moderater Konsum tierischer Produkte gelten dabei als zentrale Elemente einer gesundheitsförderlichen und umweltverträglichen Ernährung.



WAS IST EMPFOHLEN?
Bezogen auf eine Diät mit 2500 kcal täglich sehen die Empfehlungen wie folgt aus:


Wichtige Ernährungsthemen nach einer Krebsdiagnose
Ein paar Grundlagen möchten wir Ihnen schon hier vermitteln und hoffen, diese helfen Ihnen weiter. Das ersetzt noch keine Beratung, kann aber erst einmal Orientierung geben.

Ballaststoffe und Darmgesundheit
Ballaststoffe sind Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel, die von unseren Verdauungsenzymen nicht vollständig abgebaut werden. Sie dienen als Nahrung für nützliche Darmbakterien und unterstützen ein gesundes Darmmikrobiom.
Ein gut funktionierendes Darmmikrobiom spielt eine wichtige Rolle für:
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das Immunsystem
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den Stoffwechsel
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entzündliche Prozesse im Körper
Ballaststoffreiche Lebensmittel sind zum Beispiel:
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Vollkornprodukte
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Gemüse
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Hülsenfrüchte
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Nüsse und Samen
Zucker und Stoffwechsel
Im Zusammenhang mit Krebs wird häufig über Zucker diskutiert. Wichtig ist dabei eine differenzierte Betrachtung.
Krebszellen nutzen – wie viele andere Zellen im Körper – Glukose als Energiequelle. Daraus folgt jedoch nicht, dass Zucker allein das Wachstum von Tumoren verursacht.
Ein dauerhaft sehr hoher Zuckerkonsum kann jedoch den Stoffwechsel belasten und beispielsweise Übergewicht fördern. Deshalb empfehlen viele Ernährungsgesellschaften, stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke nur in Maßen zu konsumieren.


Fleisch und pflanzliche Proteinquellen
Eiweiß ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung – insbesondere während einer medizinischen Behandlung.
Eiweißreiche Lebensmittel sind beispielsweise:
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Hülsenfrüchte
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Nüsse
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Milchprodukte
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Fisch
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Eier
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mageres Fleisch
Viele wissenschaftliche Empfehlungen raten dazu, den Konsum von rotem und stark verarbeitetem Fleisch zu begrenzen und stattdessen häufiger pflanzliche Eiweißquellen zu nutzen.

Körpergewicht und Energieversorgung
Während einer Krebsbehandlung kann sich das Körpergewicht verändern. Manche Menschen verlieren Gewicht, andere nehmen zu.
Ein stabiles Körpergewicht und eine ausreichende Energieversorgung sind wichtig, um
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Kraft zu erhalten
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Nebenwirkungen besser zu bewältigen
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den Körper während der Therapie zu unterstützen
Wenn es zu starkem Gewichtsverlust oder Problemen beim Essen kommt, kann eine individuelle Ernährungsberatungsehr hilfreich sein.
Vorsicht vor sogenannten „Krebsdiäten“
Im Internet finden sich viele Ernährungskonzepte, die versprechen, Krebs durch eine bestimmte Diät beeinflussen oder sogar heilen zu können.
Dazu gehören zum Beispiel:
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extreme Fastenkuren
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radikale Eliminationsdiäten
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stark eingeschränkte Ernährungsformen
Für viele dieser Ansätze gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege.
In manchen Fällen können solche Diäten sogar problematisch sein, da sie zu Mangelernährung oder starkem Gewichtsverlust führen können.
Wenn Sie Ihre Ernährung während einer Krebsbehandlung verändern möchten, sprechen Sie am besten mit
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Ihrem behandelnden Ärzteteam
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einer qualifizierten Ernährungsberatung
Was im Alltag helfen kann
Auch kleine Schritte können dazu beitragen, den Körper während einer Erkrankung zu unterstützen. Viele Betroffene berichten, dass ihnen im Alltag vor allem eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung hilft. Dazu gehört, möglichst regelmäßig zu essen, ausreichend zu trinken und auf eine abwechslungsreiche Auswahl an Lebensmitteln zu achten. Frische, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel können dabei eine gute Grundlage bilden.
Ebenso wichtig ist es, dem Körper genügend Energie und Eiweiß zur Verfügung zu stellen, besonders während einer Therapiephase. Wenn es der gesundheitliche Zustand erlaubt, empfinden viele Menschen auch leichte Bewegung als unterstützend. Entscheidend ist dabei vor allem eines: Es gibt keine perfekte Ernährung. Wichtig ist vielmehr, eine Form der Ernährung zu finden, die für die eigene Situation passt und mit der man sich persönlich wohlfühlt.
Quellenverzeichnis
